Zugspitzgipfel mit Schutzhütte, Wetterwarte, Funkübertragungsstelle und Höhenstrahlungsmessstation
© Foto: Forstner, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Vier Denkmäler auf Deutschlands höchstem Gipfel

Unter den Denkmälern nehmen sie eine Spitzenposition ein – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Die Schutzhütte des Deutschen Alpenvereins, die Wetterwarte, die Funkübertragungsstelle und die Höhenstrahlungsmessstation gelten jetzt ganz offiziell als höchstgelegene Denkmäler der Bundesrepublik. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat die vier Gebäude auf der Zugspitze geprüft und in die Denkmalliste eingetragen. Herausragend ist nämlich nicht nur deren Lage in fast 3000 Metern Höhe, sondern vor allem ihre künstlerische, historische, wissenschaftliche und technische Bedeutung. Entstanden zwischen 1897 und 1981, sind sie Zeugnisse der Geschichte, die in außergewöhnlicher Weise die prägenden Themen ihrer Zeit widerspiegeln.

Architektur für extreme Wetterlagen

Zugspitzgipfel
© Foto: Knipping, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Um ihre Bauten den extremen klimatischen Bedingungen so weit oben anzupassen, haben die Architekten innovative Wege beschritten. Als einer der ersten Betonbauten Bayerns besitzt das sogenannte „Münchner Haus“ etwa Außenwände, die bis zu 1,2 Meter stark sind. Die 1897 errichtete Schutzhütte zählt zu den ältesten des Deutschen Alpenvereins. Nur drei Jahre später wurde sie um eine Wetterwarte erweitert, die mit Winkeleisen im Erdreich verankert ist. Als königliches Hochobservatorium lieferte diese die ersten kontinuierlich erhobenen Daten der sogenannten freien Atmosphäre aus dieser Höhe. Noch heute bezieht sich die weltweite Klimaforschung auf diese Werte. Die Höhenstrahlungsmessstation, für die der Münchner Architekt Uwe Breukel 1963 ein futuristisches Gebäude aus Aluminium geschaffen hat, leistete einen Beitrag zur Erforschung der kosmischen Strahlung. Ein frühes Beispiel des ökologischen Bauens ist die 1981 fertig gestellte Funkübertragungsstelle mit ihrer autarken Energieversorgung durch Sonnenkollektoren.

Berghütte mit Telefon – das "Münchner Haus" des Alpenvereins

Zugspitze, Schutzhütte des Deutschen Alpenvereins, Dachgeschoss
© Foto: DAV-Sektion München

Die 1897 von Adolf Wenz erbaute Schutzhütte des Deutschen Alpenvereins (DAV) löste einen deutlich kleineren Holzbau aus dem Jahr 1883 ab. Für das neue Gebäude wurde ein 200 Quadratmeter großer Bauplatz frei gesprengt. Damit es dem Winddruck standhält, erhielt es anstelle des sonst üblichen Satteldachs ein Pultdach. Für die Außenwände aus Beton verwendeten die Bauarbeiter Bruchstein als Zuschlagstoff. So sparten sie Baumaterialien, die sonst auf den nur schwer zugänglichen Gipfel gebracht hätten werden müssen. Gleichzeitig passt sich das Betonmauerwerk dadurch ästhetisch dem Gebirgsmassiv an. Wenz stattete die Hütte mit einer 21 Kilometer langen Telefonleitung und einer 5,5 Kilometer langen Blitzableiter-Anlage aus. Zu seiner Entstehungszeit sorgte das Projekt für Streit zwischen sportlichen Alpinisten, die es wegen der drohenden „Überbevölkerung“ des Gipfels ablehnten, und den Befürwortern der zunehmend touristischen Erschließung der Berge, die sich schließlich durchsetzen konnten.

Daten der freien Atmosphäre – die Wetterwarte

1900 entstand der meteorologische Turm an der südwestlichen Seite der Schutzhütte. Auch wegen der Zunahme des Bergsports war die Errichtung der Wetterwarte elementar, denn der Bedarf an zuverlässigen Wetterinformationen stieg. Die Wetterwarte war an die Königlich Bayerische Meteorologische Centralstation in München angegliedert. Architektonisch interessant ist die anschauliche, bauzeitliche Innenausstattung. An der Außenseite der Hütte erinnert ein Bronzerelief von Heinrich Waderé an Josef Enzensperger, den ersten ganzjährigen Beobachter auf der Wetterwarte, und den Hund „Putzi“, der ihm während des Winters dort Gesellschaft leistete. Ohne Seilbahn war der Gipfel nämlich zu dieser Jahreszeit nicht zu erreichen. Die einsamen Monate auf der Zugspitze dienten Enzensperger auch als Vorbereitung für sein nächstes Projekt: Der Meteorologe und bekannte Bergsteiger schloss sich wenig später einer der ersten Expeditionen in die Antarktis an, auf der er 1903 – eine Woche vor seinem 30. Geburtstag – starb

Kosmos und Science-Fiction – die Höhenstrahlungsmessstation

Zugspitze, Höhenstrahlungsmessstation
© Foto: Forstner, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Benachbart zur Funkübertragungsstelle, unterhalb des Westgipfels, liegt die ehemalige Höhenstrahlungsmessstation des Instituts für Physik und Astrophysik der Max-Planck-Gesellschaft. 1963 ist das Gebäude des Architekten Uwe Breukel innerhalb von dreizehn Tagen in Montagebauweise errichtet worden. Dank seiner asymmetrischen polyedrischen Form hält es Windgeschwindigkeiten von bis zu 280 Kilometern pro Stunde stand und sammelt keine Schneelasten an. Auf diese Weise verhinderte der Architekt, dass die Messergebnisse beeinflusst werden. Mit seiner metallsichtigen Fassade mutet das Gebäude wie die Kapsel eines Raumschiffs an. Das ist auch auf das Weltraumfieber der 1960er Jahre und den damaligen Wettlauf um die Herrschaft im All zurückzuführen. Beeinflusst ist der Bau von futuristischen Werken wie denen von Richard Buckminster Fuller. Wissenschaftliche Bedeutung erlangte die Höhenstrahlungsmessstation als eine von 50 Stationen weltweit.

Hightech in der Hülle – die Funkübertragungsstelle

Zugspitze, Funkübertragungsstelle, Antenne
© Foto: Forstner, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Direkt am Fuß der Schutzhütte, eingelassen in den Südhang der Zugspitze, befindet sich die Funkübertragungsstelle. Um die Richtfunkstrecken von Raisting-München-Österreich-Italien auszubauen, wurde sie in den Jahren 1975-1981 von dem Architekten Hans Maurer und dem Grazer Statiker Harald Egger für die Post errichtet. Das Hightech-Gebäude besteht aus einer äußeren, vierteltonnigen Hülle und einem dreigeschossigen Haus aus Leichtbau-Elementen im Inneren. Durch diese Konstruktion wird das wärmegedämmte Innengebäude von der Kaltluft innerhalb der Hülle umgeben, die verhindert, dass sich der darunter liegende Permafrostboden aufheizt. Sonnenkollektoren sorgten für umweltfreundliche Energie und machten zudem den Brennstofftransport obsolet. Die Außenhülle mit ihrem Fachwerk aus Aluminium und Plexiglastafeln ist vom Zeltdach des Münchner Olympiastadions inspiriert und knüpft künstlerisch an die Vorbilder des Neuen Bauens an.