Zur Geschichte des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege

Denkmalschutz und Denkmalpflege zählen heute zu den wichtigsten Aufgaben des Freistaates Bayern auf kulturellem Gebiet. Die Geschichte dieser hoheitlichen Aufgaben setzte allerdings schon weit früher ein - seit 1835 besteht in Bayern eine Institution für die staatliche Denkmalpflege.

Die bayerische Denkmalpflege: Ein Produkt König Ludwigs I.

Mit der Begründung der „Generalinspection der plastischen Denkmale des Reiches" setzte König Ludwig I. die Entwicklung der Denkmalpflege in Bayern in Gang. Von seinem Auftrag, alle Denkmäler seines Königreiches zu fotografieren, profitieren wir noch heute: Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege verdankt dieser Idee eine umfangreiche Sammlung historischer Fotografien, die die bayerischen Kultur- und Häuserlandschaften zeigen.

Erster Generalinspektor für die Denkmäler des Reiches war der rheinische Kunstsammler Sulpiz Boisserée. Seine Sammlung legte den Grundstock für die Alte Pinakothek in München. Nach kurzer Amtszeit folgte ihm der Architekt Friedrich von Gärtner nach.

Ab 1868 nannte sich der oberste Denkmalpfleger des Königreichs Bayern Generalkonservator; er erfüllte in Personalunion auch das Amt des Direktors des seit 1855 bestehenden Bayerischen Nationalmuseums. Auf Jakob Heinrich von Hefner-Alteneck (1868-1885) folgten Wilhelm Heinrich Riehl (1885-1897) und Hugo Graf (1897-1907). Die Aufgaben des „Generalkonservatoriums" erstreckten sich auf die Erfassung sämtlicher Baudenkmäler sowie auf die Entwicklung einer Vorbildersammlung für die Denkmalpflege, die Regeln und Richtlinien festlegte. Die Gründung der „Kommission zur Erforschung des prähistorischen Bayerns" an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften im Jahr 1886 war der erste Schritt zur staatlichen Bodendenkmalpflege.

Inventarisation als zentrale Aufgabe

Von Anbeginn an waren die Erfassung und Erforschung des vorhandenen Denkmalbestandes eine Kernaufgabe der bayerischen Denkmalpflege - sie sind es bis heute geblieben.

1895 erschien der erste Band der Reihe „Die Kunstdenkmale des Königreiches Bayern vom elften bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts". Seit 1958 erscheint zusätzlich die Reihe „Bayerische Kunstdenkmale". Mit diesen beiden Publikationsreihen standen in unterschiedlicher Ausführlichkeit Verzeichnisse der Baudenkmäler schon deutlich vor 1973, also vor Einführung des Denkmalschutzgesetzes, zur Verfügung. Sie bilden bis heute wichtige Quellensammlungen.

1908 – Geburtsstunde des heutigen Landesamtes für Denkmalpflege

Unter Georg Hager erfuhr das „Generalkonservatorium der Kunstdenkmale und Altertümer Bayerns" ab 1907/08 eine Neuorganisation. Es wurde vom Nationalmuseum getrennt; Bau- und Kunstdenkmalpflege, Bodendenkmalpflege und die Inventarisation standen fortan gleichberechtigt nebeneinander. Von 1917 an trug die Institution bereits den heutigen Namen - Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege.

Neuorientierung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Die Bedingungen des Dritten Reiches, des Zweiten Weltkriegs und der frühen Nachkriegsmoderne stellten die bayerische Denkmalpflege vor große Herausforderungen; unter Generalkonservator Georg Lill (1929-1950) gelang es dennoch, die Reihe der Inventare fortzuführen. Gleichwohl rückten die Bergung und vorsorgliche Sicherung von Kunstwerken während des Krieges zunehmend in den Vordergrund.

Josef Maria Ritz (1950-1957), Heinrich Kreisel (1957-1963) und Torsten Gebhard (1963-1974) waren als Amtsleiter der Nachkriegszeit vor allem mit den Folgen des Krieges und mit dem Wiederaufbau befasst. Eine Folge des Wirtschaftswunders war die Gefährdung des Bestandes erhaltener Gebäude. Als Instrument der Denkmalerfassung führte Heinrich Kreisel die Publikationsreihe "Bayerische Kunstdenkmale" ein, die 1958 mit dem Band über die Stadt Augsburg begann. Sie half, die Lücken der großen Inventare zu schließen. In seiner Amtszeit setzte Generalkonservator Michael Petzet (1974-1999) den Ausbau des Landesamtes für Denkmalpflege weiter fort.

Seit 1908 war das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege mit seinem Hauptsitz in München und der Dienststelle in Würzburg in Bayern präsent; letztere wurde 2007 geschlossen. Weitere Dienststellen folgten in Regensburg, Nürnberg, Landshut (bis 2007), Seehof bei Bamberg und in Ingolstadt (bis 2013). Die Dienststelle Augsburg wurde in das ehemalige Kloster Thierhaupten verlagert; dort befindet sich auch das Bayerische Bauarchiv.

Seit 1980 konnten geophysikalische Prospektion und Luftbildarchäologie institutionell verankert werden. Die Luftbildarchäologie verfügt inzwischen über das größte Bildarchiv in ganz Deutschland. Im Bereich der geophysikalischen Prospektion wird heute angewandte Forschung betrieben, die auch international zum Einsatz kommt.

1973: Inkrafttreten des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes

Mit dem Inkrafttreten des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes im Jahr 1973 erreichte die Arbeit der staatlichen Denkmalpflege in Bayern ein neues Niveau: Erstmals gab es für die Denkmalpflege eine gesetzliche Grundlage.
Das Denkmalschutzgesetz forderte die Führung von Denkmallisten, die öffentlich einsehbar sein sollten. Zwischen 1973 und 1978 wurden alle Baudenkmäler auf Grundlage der bereits genannten älteren Inventareditionen neu bewertet und in Listen erfasst. In der Reihe „Denkmäler in Bayern" sind die Ergebnisse dieser Inventarisation veröffentlicht. Dort werden auch die obertägig sichtbaren Bodendenkmäler aufgeführt.

Heute wird die Denkmalliste auf der Basis eines digitalen geographischen Informationssystems verwaltet und wird auch tagesaktuell im Internet Bürgern und Planern zur Verfügung gestellt. Der Bayerische Denkmal-Atlas liefert unter www.denkmal.bayern.de Informationen zu allen Bau- und Bodendenkmälern sowie Ensembles in Bayern.

Hauptsitz in der Mitte Münchens: Die Alte Münze

1986 zog das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege in seinen zentralen Dienstsitz in der Mitte Münchens: Die Alte Münze am Hofgraben. Damit befinden sich alle Abteilungen unter einem Dach, die vorher über die Stadt verteilt waren.

Neben dem Hauptsitz in München arbeitet das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege heute noch in vier weiteren Dienststellen: in Nürnberg, in Regensburg, Schloß Seehof bei Bamberg, und im ehemaligen Kloster Thierhaupten.

Denkmalpflege als Dienstleistung

Das Landesamt für Denkmalpflege hat sich seit seinen Anfängen zu einer dienstleistungsorientierten und bürgernahen Behörde des 21. Jahrhunderts gewandelt. Unter der Leitung von Generalkonservator Prof. Dr. Egon Johannes Greipl (1999-2013) kam es zu einer Organisationsreform. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege arbeitet als Dienstleister für alle an Denkmalschutz und Denkmalpflege Beteiligten.

Seit März 2014 ist der Architekt Mathias Pfeil Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege.

König Ludwig

König Ludwig I. von Bayern: Begründer der Denkmalpflege. Bildnachweis: BLfD.

Alte Münze in München - Innenhof

Der Innenhof der Alten Münze in München. Bildnachweis: BLfD/Ott.

Dienststelle Nürnberg

In Nürnberg befindet sich die Dienststelle des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege auf der Burg. Bildnachweis: BLfD.

Dienststelle Regensburg

In Regensburg befindet sich die Dienststelle des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege in der "Königlichen Villa". Bildnachweis: BLfD/A. Beck.

Dienststelle Bamberg

Schloß Seehof, die Dienststelle des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege bei Bamberg. Bildnachweis: BLfD/Hundemer.

Dienststelle Thierhaupten

Im ehemaligen Kloster Thierhaupten, nördlich von Augsburg, befindet sich u.a. das Bayerische Bauarchiv. Bildnachweis: BLfD/Forstner.