Restaurierung / Konservierung
Die größte Herausforderung der Konservierung/Restaurierung archäologischer Funde stellt die Vielfalt des Fundmaterials dar, das sich im Wesentlichen in die Materialgruppen Keramik und Glas, Metalle bzw. Metalllegierungen und Organika (Textil, Geflechte, Leder, Horn, Holz…) gliedern lässt. Im Vergleich zu anderen Fachbereichen der Restaurierung ist der Abbaugrad der Materialien archäologischer Artefakte am stärksten fortgeschritten. Hier spielt das Material selbst, ebenso aber sein Alter, seine Zusammensetzung und die Herstellungstechniken eine Rolle sowie die Bodenbeschaffenheit und die Umweltbedingungen bei der Bodenlagerung.
Im Vordergrund steht die Substanzsicherung des beweglichen Bodendenkmals - also seine Bedeutung für die Nachwelt als unveränderte originale Quelle. Jeder Fund ist ein geschichtliches Zeugnis und daher individuell zu betrachten und zu behandeln. Die erforderlichen Maßnahmen zur Erhaltung orientieren sich somit an den überlieferten Materialien, deren Erhaltungszustand und den enthaltenen Informationen.
Die Konservierung organischer archäologischer Reste und Befunde mit stark abgebautem organischem Material (z. B. mineralisierte Strukturen auf Metallfunden oder Blockbergungen) stellen besondere konservatorische Herausforderungen, bergen zugleich aber besonders wertvolle wissenschaftliche Informationen. Daher liegt hier ein spezieller Arbeitsschwerpunkt.
Im Wesentlichen werden drei Tätigkeitsbereiche unterschieden:
• Bestandserfassung, Zustandsanalyse und Dokumentation
Um den Zustand eines archäologischen Fundes beurteilen zu können, müssen zunächst alle ihn betreffenden Informationen gesammelt und ausgewertet werden. Hier kommen neben der lichtmikroskopischen Untersuchung auch Methoden wie die Röntgenprospektion, die Dendroarchäologie oder auch die 3D-Computertomographie zum Einsatz. Alle Beobachtungen werden in einer schriftlichen und bildlichen Dokumentation festgehalten. Erst dann wird über weitere Maßnahmen entschieden.
• Erstversorgung und Konservierung
Ziel der Erstversorgung und Konservierung ist es, den Fund vor weiteren Schäden zu bewahren. Dies geschieht einerseits durch vorbeugende präventive Maßnahmen wie die sachgerechte Verpackung und klimatisierte Lagerung, zum anderen durch in den Abbauprozess direkt eingreifende, konservierende Maßnahmen, die zu einer langfristigen Stabilisierung des Zustandes führen. So werden beispielsweise archäologische Eisenfunde zur Vorbeugung weiterer Korrosion entsalzt.
• Restaurierung
Restauratorische Eingriffe dienen dazu, den Fund wissenschaftlich auswerten oder präsentieren zu können. Hier gilt: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Das heißt, alle restauratorischen Maßnahmen, die an Funden vorgenommen werden, sollen so weinig wie möglich in die originale Substanz eingreifen und reversibel sein.
Am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege werden sie nur bei Vorliegen wichtiger Gründe oder in Absprache mit Archäologen vorgenommen. Dabei kommt systematisch das Konzept der ‚Investigative Conservation’ zum Einsatz, das die rationelle Erfassung, die wissenschaftliche Auswertbarkeit und Bewältigung der großen Fundmengen möglich macht.
Alle konservierenden und restaurierenden Maßnahmen werden dokumentiert.
Ausführliche Beiträge des Referates zur Umsetzung von Maßnahmen zum Funderhalt und zur Fundbehandlung finden sich in den Vorgaben zur Dokumentation / Fundbehandlung und in konkreten Empfehlungen zum Umgang mit archäologischen Funden.
