Das Referat B IV Unterfranken

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Das Referat B IV umfaßt die Regierungsbezirke Oberfranken und Unterfranken mit der Dienststelle Bamberg. Geographisch umschließt das Referat IV die Region zwischen dem Rhein-Main-Gebiet und den nordostbayerischen Grundgebirgen, die zum Gewässersystem der Elbe überleiten (Saale, Eger). Innerhalb dieses Gebietes sind bisher über 10.000 Bodendenkmäler aus allen Epochen der Menschheitsgeschichte bekannt.

Schwerpunkte der archäologischen Arbeit liegen in der Urnenfelderzeit, der Hallstattzeit, der Latenezeit, der Römischen Kaiserzeit, im Frühen Mittelalter sowie in der Stadtkernarchäologie.
Das Gewässernetz mit den Mainzuflusstälern einerseits und der über die Regnitzfurche nach Süden führenden Verbindung zur Donau andererseits bestimmt in nahezu allen Perioden das Siedlungsbild. Dabei wechseln sich fruchtbare, schwere Lössböden etwa im Maindreieck westlich des Steigerwaldes mit leichten, sandigen und damit erosionsgefährdeten Böden im Regnitzgebiet ab und prägen die Grundlagen der archäologischen Überlieferung.

Die ältesten Fundplätze mit Steinwerkzeugen aus dem Mittelpaläolithikum im Norden Oberfrankens zeugen von der Anwesenheit des Neandertalers, während in Unterfranken aus der Altsteinzeit Einzelfunde bekannt sind. Für die Mittlere Steinzeit bezeugen umfangreiche Steingeräteinventare viele Rastplätze längs der Flusstäler.
Spätestens seit dem Mesolithikum war die Nördliche Frankenalb mit zahlreichen Höhlen ständig besiedelt. Die ersten sesshaften Bauern der bandkeramischen Kultur (Neolithikum) sind für das 6. Jahrtausend im Maindreieck belegt. Seit der mittleren Bronzezeit anwachsend, erreichte die Besiedlungsdichte in der Urnenfelderzeit ihren ersten Höhepunkt. Die große Befestigungsanlage in Ehrenbürg bei Forchheim zeigt beispielhaft die Macht mittel- und endbronzezeitlicher Eliten.
In der frühen Eisenzeit (Hallstattzeit) lassen diese Anlagen wie auch der vermutete Fürstensitz auf der Marienburg in Würzburg dann auch frühstädtische Züge erkennen. Nach historisch belegten Keltenwanderungen bezeugen Höhensiedlungen wie das spätkeltische Oppidum auf dem Staffelberg in der Mitte des 2.Jahrhundert einen erneuten Aufschwung der keltischen Population in der Laténezeit.
In der späten Latenezeit sind nur südlich des Mains auch einige Viereckschanzen erhalten. Damit scheint sich in den nördlichen und östlichen Regionen, wo diese typische Siedlungsform fehlt, auch eine unterschiedliche Bewirtschaftung des Landes anzudeuten.

Der Übergang zwischen der spätkeltischen und frühgermanischen Besiedlung in der Zeit um Christi Geburt ist auch im Main-Regnitzgebiet noch nicht endgültig zu beurteilen. Wie im nördlichen Unterfranken (Aubstadt) deuten sich aber in Altendorf bereits im ersten Jahrhundert v. Chr. kulturelle Verbindungen in Bestattungsbrauchtum und Fundmaterial an. Einflüsse der mitteldeutschen Großromstedter Gruppe sind im gesamten Maingebiet spürbar.

Mit dem Ende des Legionslagers von Marktbreit, das wohl im Zusammenhang mit den römischen Expansionsplänen bis zur Elbe zu verstehen ist, enden auch diese ersten "germanischen" Siedlungen. Im 2. und 3. Jahrhundert ist das linksmainische Gebiet bis Miltenberg dann Teil des Römischen Reiches. Der Main bildet den sog. "Nassen Limes" zwischen der Provinz Obergermanien und dem Barbarikum (Römerzeit).

Seit dem Ende des 2. Jahrhunderts nimmt mit der Zahl der Fundplätze auch die Siedlungstätigkeit bis zur Mitte des 5. Jahrhunderts zu (Völkerwanderungszeit). In dieser Zeit prägten für wenige Jahrzehnte (teilweise) befestigte Höhensiedlungen die Siedlungslandschaft. Auf diesen Plätzen (Reisberg b. Scheßlitz, Schwanberg, Wettenburg) und in ihrem Umfeld ist am ehesten mit dem Fortbestehen einzelner Siedlungskammern bis in das 6. Jahrhundert zu rechnen. In dieser Zeit sind große Teile Unterfrankens bis zur Main-Regnitzlinie der sogenannten Reihengräberzivilisation zuzurechnen.

Mit der Gründung des Bistums Würzburg (741) wird die Erschließung der Siedlungslandschaften auch an den Rändern der weniger ertragreichen Mittelgebirgslandschaften von Rhön und Steigerwald, Frankenwald und Fichtelgebirge verstärkt (Frühes Mittelalter), bevor die Einrichtung des Bistums Bamberg den Raum erstmals auch politisch teilt und die systematische Aufsiedlung der rohstoffreichen Waldlandschaften einleitet. In diesen Gebieten gewonnenes Eisen und Buntmetall prägen die weiteren Entwicklungen in den kleinstädtischen Siedlungen seit dem 12. Jahrhundert, die neben die Ackerbürgersiedlungen an Main und Regnitz treten. Dort, wie auch in den Bischofssitzen Würzburg und Bamberg, trägt die Bodendenkmalpflege zur Sicherung wichtiger Zeugnisse mittelalterlicher und neuzeitlicher Geschichte bei.