Das Referat B I Oberbayern/München
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Das Referat B I umfasst den gesamten Regierungsbezirk Oberbayern mit zwei Dienststellen in München und Ingolstadt.
Geographisch zeichnet sich das Referatsgebiet durch eine Vielzahl unterschiedlicher Landschaften aus. Der bayerische Alpenraum bildet dabei sicherlich die extremste Klimazone Bayerns, die von den prähistorischen Menschen erst sehr spät als Lebensraum erschlossen wurde. Anders verhält es sich mit den Süd-Nord orientierten, alpinen Tallandschaften, wie z. B. dem Inntal. Diese wurden zumindest ab der Jungsteinzeit als Handelswege genutzt.
Das Alpenvorland zeigt dagegen eine andere Struktur. Das gewellte Hügelland wird durch Flussläufe und Seen zusätzlich gegliedert. Vorherrschend sind Bereiche mit Grünlandwirtschaft und große zusammenhängende Waldgebiete. In dieser breiten Zone vor den Alpen ist bis heute eine Vielzahl archäologischer Denkmäler im Gelände sichtbar. Grabhügelfelder der Bronze- und Hallstattzeit, keltische Viereckschanzen oder das südlichste keltische Oppidum Bayerns auf der Fentbachschanze, Gemeinde Weyarn im Landkreis Miesbach bilden ebenso prägende Elemente der Landschaft, wie Dammstücke der römischen Straßen sowie die häufig monumental erhaltenen früh- und hochmittelalterlichen Befestigungen. Neuzeitliche Wegespuren und die vielfältigen Flur- und Ackerformen sind erst in jüngster Zeit als bedeutende Bodendenkmäler der Geschichte erkannt worden. Die anschließenden Bereiche, wie auch die Regionen nördlich der Donau, sind durch eine intensive landwirtschaftliche Nutzung geprägt. Hier bilden die verebneten Bodendenkmäler die größte Denkmälergruppe.
Eine besondere Stellung innerhalb Oberbayerns nimmt die Region entlang der Donau ein. Aufgrund der günstigen Siedlungsbedingungen und der prägenden zentralen Lage an den Handelswegen entlang des Flusses war der Raum durch alle Zeiten intensiv besiedelt. Dies gilt auch für die Münchner Schotterebene.
Die landschaftliche Gliederung bestimmt aber auch die Brennpunkte in der archäologischen Arbeit. Während in den Grünlandzonen des unmittelbaren Alpenvorlandes die Bodendenkmäler relativ gut geschützt sind, muss in intensiv genutzten Agrarlandschaften, etwa in den Regionen nördlich der Donau, konsequent mit zerstörungsfreien Prospektionsmethoden nach archäologischen Fundstellen gesucht werden archäologische Prospektion.
Ein Schwerpunkt der Ausgrabungstätigkeit liegt im Umfeld der stark prosperierenden Landeshauptstadt München. Großflächige Untersuchungen im Vorgriff von Baumaßnahmen haben hier in den letzten Jahrzehnten zu einem beträchtlichen Erkenntnisgewinn geführt und machten die Münchner Schotterebene zu einer der ertragreichsten archäologischen Fundlandschaften in Süddeutschland. Vergleichbar ist dieses neue Quellenbild in Oberbayern nur noch mit dem Umfeld des Wirtschaftszentrums Ingolstadt. Auch hier führten vielfältige Aktivitäten zur Neubewertung des Siedlungsbildes. In beiden Regionen lässt sich die Entwicklung ab dem Ende der Jungsteinzeit lückenlos durch Gräber und Siedlungen bis in die heutige Zeit darstellen.
Schon früh wurde die Bedeutung des spätkeltischen Oppidums von Manching bei Ingolstadt erkannt (Latenezeit). Nicht umsonst zählt Manching zu den keltischen Stadtanlagen, die am besten erforscht sind. Auch ältere Gräberfelder, wie etwa in Zuchering oder die Einblicke in die Besiedlungsgeschichte des Altmühltals haben gezeigt, dass das nördliche Oberbayern eine zentrale Rolle für das Verständnis der Siedlungsentwicklung spielt.
Während der römischen Kaiserzeit haben der Limes mit den Kastellen, etwa in Kösching oder Böhming, sowie die damit verbundene dichte Besiedlung das Bild der Landschaft geformt. Teilrekonstruktionen wie im römischen Kastell von Pfünz vermitteln einen Eindruck vom Aussehen der Anlagen. In den südlichen Bereichen Oberbayerns wird das Bild dagegen von den römischen Landgütern und den wenigen gut erforschten Siedlungen, zu denen Gauting und Seebruck gehören, geprägt.
Die Erforschung des frühen Mittelalters wird noch immer von den zahlreichen Untersuchungen in den Reihengräberfeldern bestimmt. Altenerding, Waging am See oder auch Aschheim erbrachten jeweils mehrere hundert Bestattungen. Bei Ausgrabungen in frühmittelalterlichen Kirchen (Herrsching, Sandau, Nassenfels) konnten wichtige architektur- und kirchengeschichtliche Ergebnisse erzielt werden.
Prioritäten der Mittelalterarchäologie bilden bislang Ingolstadt und München oder auch Neuburg an der Donau, das aufgrund seiner besonderen topografischen Situation über der Donau bereits ab der Bronzezeit besiedelt ist. Überregionale Bedeutung erlangte auch die Untersuchungen im Kloster Benediktbeuern. Die stadtkernarchäologischen Untersuchungen und verschiedene Forschungsprohekte, z. B. auf dem Petersberg bei Flintsbach, haben gezeigt, dass das Mittelalter in Oberbayern noch viele Fragen offen hält, auf die bei zukünftigen Forschungen noch mehr Gewicht gelegt werden muss.
