Fachbereich Skulptur



Das Aufgabengebiet des Fachbereichs Skulptur umfasst hauptsächlich gefasste Altarausstattungen, deren figuralen Schmuck, Skulpturen im Außenbereich oder gefasste Zierrahmen von Gemälden. Die Bandbreite der Fasstechniken reicht von polychromen, meist mehrschichtigen Malschichtaufbauten unterschiedlichster Oberflächenwirkung über verschiedenste Verzierungstechniken, Metallauflagen, Lüstrierungen und Abschlussüberzügen. Bildwerke mit ursprünglicher Fassung sind Raritäten, die Untersuchung und naturwissenschaftliche Auswertung derselben ist von höchstem Interesse.
Die Restaurierungswerkstatt für Skulptur besteht seit der Gründung des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege. In der Zeit von ca. 1958-86 schufen Dr. Johannes Taubert und sein Mitarbeiter Fritz Buchenrieder wichtige Grundlagen für die Erforschung der Skulpturenpolychromie. Das Arbeitsheft Bd. 40 „Gefasste Bildwerke“ des BLfD, gibt einen beeindruckenden Überblick über das Spektrum und die Qualität der in diesem Zeitraum untersuchten Kunstwerke. Ein Schwerpunkt der Untersuchungen lag damals wie heute auf den Werken der bayerischen Bildschnitzer Johann Bapt. Straub, Ignaz Günther und deren Fassmalern.

Das komplexe Aufgabenfeld der Restauratoren im Fachbereich Skulptur umfasst neben fasstechnischen Belangen auch den Holzbildträger und dessen Bearbeitung hinsichtlich Erhaltung und Stabilisierung der historisch überkommenen Holzsubstanz, gegebenenfalls der holztechnischen Ertüchtigung und Schädlingsbekämpfung. Erkenntnisse zu verwendeten Holzarten und Verarbeitungs- bzw. Schnitztechniken fließen ebenso wie neue Erkenntnisse zu Fasstechniken in überregionale Projekte ein, wie beispielsweise dem am Lehrstuhl für Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaften der TU- München angesiedelten Projekt „Die farbige Fassung von Skulpturen und Altarretabeln des Barock und Rokoko“. Fragen der Klimaregulierung und der Dekontamination von mit Holzschutzmitteln belasteten Kunstwerken treten zunehmend in den Mittelpunkt, ebenso wie der Dokumentationsgehalt eines Kunstwerks und das Umfeld, in dem es sich befindet (Kirchenraum als Gesamtkomposition).

Derzeit befinden sich folgende Kunstwerke zu Untersuchungszwecken bzw. zur Konservierung und Restaurierung in den Räumen des Fachbereichs Skulptur:

Ising, Gemeinde Chieming, Lkr. Traunstein, Reg.-Bez. Obb., kath. Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt, bzw. sog. altes Herrenhaus, Museum, zwei Skulpturen, Holz, polychrom gefasst, 17. Jh. mit ursprünglicher Fassung.

Schenkenau, Gde. Waidhofen, Lkr. Neuburg-Schrobenhausen, Reg.-Bez. Obb., kath. Filialkirche St. Nikolaus, Christus an der Geißelsäule, Holz, polychrom gefasst um 1700 mit ursprünglicher Inkarnatfassung.

Schillingsfürst, Gem. Schillingsfürst, Lkr. Ansbach, Reg.-Bez. Mittelfranken, Mausoleum im Schlosspark, Altar mit polychromer Fassung, entstanden 1891/92 mit ursprünglicher Fassung.

Tegernsee, Lkr. Miesbach, Reg.-Bez. Obb, kath. Pfarrkirche St. Quirinus, Büste Holz, polychrom gefasst, Joh. Baptist Straub zugeschrieben, Überfassung nach 1960.

Ottobeuren, Lkr. Unterallgäu, Reg.-Bez. Schwaben, Benediktiner-Abtei, Benediktskapelle, drei Altäre mit ursprünglicher Fassung zwischen 1732 und 1738 entstanden. Die Konservierung der Altäre wurde im August 2008 abgeschlossen. Die Antependien wurden in den Restaurierungswerkstätten des BLfD gemeinsam mit Studentinnen der TU München untersucht und konserviert.