Referat A V – Restaurierungswerkstätten der Praktischen Denkmalpflege, Bau- und Kunstdenkmalpflege



Das Referat A V ist in neun Fachbereiche und das Bauarchiv unterteilt:



Mit der Gründung des Königlichen Generalkonservatoriums der Kunstdenkmale und Altertümer im Jahre 1908 richtete man erstmals eine „Konservierungs- und Restaurierungsanstalt“ ein. Sie hatte die Aufgabe „schwierige Restaurationsarbeiten durchzuführen, die ständiger Überwachung durch einen Beamten des Generalkonservatoriums bedurften“. Das heutige Referat Restaurierung kann sich auf dieses umfassende historische Wissen bei der Behandlung von Kunstwerken stützen.
Wie das Generalkonservatorium waren auch die Werkstätten bis in die 70er Jahre des 20. Jh.s beim Bayerischen Nationalmuseum untergebracht. In den 80er Jahren bezog das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege dann die Alte Münze im Hofgraben und richtete dort auch die Restaurierungswerkstätten der Bau- und Kunstdenkmalpflege ein. Außenstellen der Werkstätten befinden sich heute in der Dienststelle des Landesamtes im Schloß Seehof bei Bamberg sowie im ehem. Kloster in Thierhaupten nördlich von Augsburg.


Die Restaurierungswerkstätten, die als Referat A V zur Abteilung „Praktische Denkmalpflege“ gehören, bestehen aus neun Fachbereichen: Gemälde, Skulptur, Möbel, Textil, Metall, architekturgebundene Holzkonstruktion, mineralische Baustoffe und Konstruktion, Stein und Wandmalerei. Ihnen obliegt die Beratung und die fachliche Betreuung aller Kunst- und Kulturobjekte in Bayern, sofern Sie fester oder beweglicher Bestandteil eines eingetragenen Baudenkmals sind. Dazu gehören die Erarbeitung, Festlegung, Umsetzung und Weiterentwicklung restauratorischer Konzepte und Ziele im Rahmen der Entwurfsplanung, die Sicherstellung der Ausführungsqualität von Restaurierungsleistungen durch eine kontinuierliche Beratung und Betreuung, die weitgehend vor Ort erfolgt, die Überprüfung des Restaurierungserfolgs, die Entwicklung neuer Techniken, die Erstellung von Richtlinien zur Konservierung und Restaurierung sowie zur Dokumentation von Bestandserfassungen und Restaurierungsmaßnahmen. Ferner werden Ausleihanfragen von Museen im Rahmen des Verfahrens auf Erteilung einer denkmalschutzrechtlichen Erlaubnis bearbeitet. Außerdem gehört zur Dienststelle Thierhaupten das „Bayerische Bauarchiv“ konzipiert als Lehrsammlung exemplarischer historischer Bauteile in Verbindung mit Fortbildungswerkstätten für die Fachbereiche Mauerwerk und Holzkonstruktion.


Im Unterschied zu klimatisierten Museumsobjekten werden an den Umgang mit Kunstwerken im denkmalpflegerischen Kontext besondere Anforderungen gestellt. Bei der Konservierung und Restaurierung müssen in hohem Maße exponierte oder veränderliche Standortbedingungen und damit schwankende Klima-, Licht und Umwelteinflüsse berücksichtigt werden, die sich auf Bearbeitungsmethoden und die Materialwahl auswirken. Grundsätzlich steht dabei der nachhaltige Umgang mit der historischen Substanz in allen ihren Schichten im Vordergrund. Die Amtsrestauratoren identifizieren, lokalisieren und dokumentieren objektspezifische Schadensprozesse und -ereignisse sowie klimatisch bedingte Vorgänge und deren Phänomene um daraus individuell angepasste Erhaltungs- und Pflegestrategien zu entwickeln. Um das Ziel der jeweiligen Maßnahme und deren einzelne Schritte formulieren zu können, erfolgen die Vorarbeiten häufig durch freiberufliche Kollegen. Dieser meist interdisziplinäre Teilbereich der Grundlagenermittlung ist eine Voraussetzung für die denkmalfachgerechte Erhaltung und damit jede Intervention zur Pflege, Wartung, Konservierung, Restaurierung, Reparatur, die Adaption an moderne Nutzungen sowie eine dem historischen Bestand entsprechende Präsentation des Objekts und seines Umfeldes. Dies geschieht in Abstimmung mit den Gebietsreferenten des Landesamtes aber auch mit den Vertretern der Fachbehörden, der Kirchen, der Denkmaleigentümer sowie der ausführenden Firmen.


Wenn ein besonderes religionsgeschichtliches, kunsthistorisches oder denkmalpflegerisches Interesse vorliegt, übernehmen die Werkstätten auch die Restaurierung von Kunstwerken um beispielsweise Materialzusammensetzungen oder Schadensphänomene zu klären oder neue Arbeitsmethoden zu entwickeln, häufig auch unter Einbeziehung des Zentrallabors des Landesamtes. Fachgerechte Probenentnahmen zur Anfertigung und Auswertung von An- und Dünnschliffpräparaten zur Mikroskopie und ergänzende, materialkundliche Untersuchungen gehören ebenso zum Tätigkeitsfeld der Restaurierungswerkstätten wie die Betreuung begleitender Forschungsprojekte in der Konservierung/ Restaurierung zur Qualitätssicherung und Modifizierung restauratorischer Interventionen im Kontext mit methodischen, ethischen und ästhetischen Fragestellungen in der Bau- und Kunstdenkmalpflege.
In den einzelnen Fachbereichen werden das Restaurierungsstudium vorbereitende und begleitende Praktikumsplätze sowie Volontariate nach dem Studiumsabschluss angeboten.


Dr. Martin Mannewitz, Referatsleiter